Erziehung

Erziehung

Das Urvertrauen ist hergestellt, ich habe eine stabile und gefestigte Beziehung zu meinen neuen Rudelmitgliedern aufgebaut, mit einer klaren Rangordnung. Es ist für beide Seiten selbstverständlich, dass wir immer aufeinander aufpassen und alles füreinander tun werden.

Der Grundstein für eine mühelose „Erziehung“ ist gelegt.

Hier gebe ich Euch ein paar Tipps, wie wir diverse Dinge gelernt haben, die in unserer komplizierten Welt sehr wichtig oder sogar lebensnotwendig sind, sodass das Zusammenleben harmonisch und das Leben sicher ist. Diese Tipps stammen aus meinem Leben und sind für meine Kinder oder andere Hunde vielleicht nicht genau gleich anwendbar, weil wir doch alle sehr verschieden sind. Trotzdem werdet Ihr vielleicht für Euch etwas Nützliches finden und umsetzen können. Natürlich könnt Ihr uns jederzeit fragen, wenn Ihr Probleme habt, oder Hilfe braucht. Wir freuen uns immer sehr, wenn wir mit unserer Erfahrung auch anderen helfen können. Hier und hier könnt Ihr übrigens auch sehr viel lernen, solltet Ihr mal nicht mehr weiterwissen.

Ich wünsche viel Erfolg und Freude beim „Lernen“ und noch mehr Freude beim bunten, abwechslungsreichen, spannenden, … gemeinsamen Leben!!!

HIER
Diese Aufgabe habe ich sofort gelernt, weil sich meine Rudelmitglieder immer so gefreut haben, wenn ich zu ihnen gekommen bin. Da sie dann immer das Wort „hier“ gesagt haben, war es für mich bald klar, immer zu ihnen zu kommen, wenn ich „hier“ höre. Ich habe auch gelernt, mich direkt vor sie hinzusetzen. Das gab immer besonderes Lob und anfangs auch Leckerlies und daher ist es jetzt eine Selbstverständlichkeit.
Was bei der Aufgabe „hier“ oft falsch gemacht wird, hat schlimme Folgen und kann nie zum Erfolg führen. Und zwar gibt es Leute, die ihren Hund schimpfen, wenn er zu ihnen kommt, nur weil er vorher irgendwas Böses angestellt hat. Natürlich kommt dieser Hund das nächste Mal gar nicht mehr zurück, weil er hat sich ja gemerkt, dass das nur Ärger gibt. Komischer Weise gibt es dann oft noch mehr Ärger. Manchmal versteht man diese Menschen wirklich nicht. Ich wüsste auch nicht, wie man es denen Recht machen kann.

PLATZ
Das war meinem Frauli ganz wichtig, dass das immer und überall sofort und in Sekundenschnelle klappt, weil sie meint, dass das mein Leben retten könnte. Bei Radfahrern, Autos oder sonstigen Gefahren, die überraschend da sein können. Aber auch, wenn andere Tiere da sind, muss das immer klappen. Ich spüre, dass sie das immer ernst meint. Wir haben das oft geübt (immer wieder ganz unerwartet) und ich wurde immer schneller. Am spannendsten war es, als ich noch klein war und so gerne Enten jagen wollte. Auch da haben wir die Übung oft gemacht, was anfangs gar nicht klappte, aber wenn, dann erhielt ich so viel Lob und Anerkennung, dass ich auch das gerne mache. Ich darf ja auch wieder mal Enten jagen, aber nur wenn es mein Frauli erlaubt. Genau so klappt das jetzt mit Hasen, Rehen und anderen Tieren. Jetzt ist es so, dass ich vorher frage, ob ich jagen darf.

PFUI
Das hab ich länger nicht verstanden, warum ich nicht alle Leckereien, die ich so finden konnte, aufjausnen darf. Da ist mein Frauli ganz aufgeregt gewesen und hat mir sogar Dinge nachgeschmissen. Sie war so aufgebracht und hat mir derart ins Gewissen geredet, dass ich Ihr die gefundenen „Schätze“ lieber vorher zeigte. Manchmal durfte ich sie behalten und auffressen, aber manchmal wurden sie anders entsorgt. Ich bekam immer ein Leckerlie stattdessen. Besser als gar nichts. Mein Frauli hatte solche Ängste, dass ich etwas Vergiftetes fressen könnte, weil zu dieser Zeit wurde bei uns in der Stadt gefährliches Gift ausgelegt und ein Hund ist sogar daran gestorben. Irgendwie habe ich das gepürt, als mein Frauli so eindringlich mit mir redete.

ORDENTLICH AN DER LEINE GEHEN
Wie schon geschrieben, durfte ich von Anfang an immer frei herumlaufen, um zu lernen, aufmerksam durch die Welt zu gehen. Trotzdem ist es manchmal notwendig, an der Leine zu gehen und zwar ohne daran zu ziehen. Da die Leine immer etwas Positives für mich war (d.h. ich wurde nie durch das Anleinen bestraft), hatte ich kein Problem, angeleint zu werden. Es ist ja manchmal sogar beruhigend, wenn man nicht auf alles selber aufpassen muss. Ich durfte die Leine sogar selber tragen, was mich heute noch stolz macht. Ziehen ist sinnlos, weil da wurde ich immer gleich von meinem Ziel weggeführt und kam letztendlich nie hin. Da habe ich das Ziehen lieber gleich sein lassen. An der Leine ist eben kein Schnüffeln angesagt.

Mit diesen vier „Befehlen“ hat man schon fast alles abgedeckt. Aber diese müssen wirklich immer klappen, sodass ein beruhigtes, harmonisches Miteinander, statt ein aufreibendes Nebeneinander oder gar Gegeneinander stattfinden kann. Ich bin nun schließlich ein großer, kräftiger, für manche Leute auch furchterregender Hund. Da müssen sich meine Rudelmitglieder auf mich verlassen können, so wie ich mich auf sie. Auch für mich ist es beruhigend, wenn ich genau weiß und sicher bin, was ich zu tun habe. Und stolz bin ich natürlich auch, wenn ich alles so toll mache.

Übrigens verstehe ich nicht, warum manche Hundebesitzer mit ihren Hunden so laut reden oder gar schreien. Hunde haben ein sehr sensibles Gehör und hören genau, was gesagt wird. Man kann auch ganz leise mit uns reden.

Die „Befehle“ sind nicht unbedingt mit diesen Worten zu lernen. Ich verstehe mein Frauli meist auch mit anderen Worten oder nur durch Blickkontakt, Gefühl und Gespür. Kurz – wir verstehen uns auch ohne Worte.

 

Auch ganz nützlich, aber nicht unbedingt erforderlich:

SITZ
Ähnlich wie „Platz“, aber nicht so wichtig und lebensnotwendig. Da ich sowieso oft sitze, hab ich das auch gleich mal kapiert, da meine Rudelmitglieder immer „sitz“ sagten, wenn ich mich hinsetzte und mich dann natürlich ordentlich lobten.

STEH
Wird ähnlich verwendet wie „sitz“. Bei Schlechtwetter braucht man sich ja nicht immer gleich hinzulegen oder hinzusetzen. Da genügt auch „steh“. Außerdem ist es in der Stadt sehr praktisch, wenn man sich in Menschenmengen nicht hinsetzen muss, weil dann steigt einem auch keiner auf die Rute. Vor einer Ampel kann man auch stehend warten.

BLEIB
Ist eigentlich auch nicht besonders schwer zu lernen. Wenn ich mal liege, ist es am leichtesten, aber auch bei „sitz“ und „steh“ kann ich das gut. Zuerst sind sie nicht weit weggegangen und ich hab sie immer gesehen. Dann haben sie sich auch versteckt und kamen wieder. Der Zeitraum für das „Bleiben“ wurde immer länger. Jetzt kann ich lange warten, bin wachsam, aber weiß sicher, dass ich genau hier wieder abgeholt werde. Weglaufen würde ich nie, weil ich gelernt habe, dass mir das Ärger bringt. Für diese Übung ist das gegenseitige, unendliche Vertrauen ganz besonders wichtig.

FUSS
„fuss“ heißt eigentlich nebeneinander gehen und ist in dieser Form nicht meine Lieblingsdisziplin. Obwohl ich genau weiß, was mein Frauli von mir will, ist es mir lieber, hinter ihr zu gehen. Da habe ich mehr Sicherheit und kann genau beobachten, wo mein Frauli hingeht. Das wende ich meist in der Stadt an, wo viel Verkehr ist oder Menschenmassen unterwegs sind. Mein Frauli lässt das auch „durchgehen“, weil es auch für sie sehr praktisch ist. Wir können uns wieder voll aufeinander verlassen.

BRING
War für mich nicht so leicht zu lernen, da ich die Angewohnheit, Steckerl, Bälle oder andere Spielzeuge zu holen nicht „in mir hatte“. Ich habe mich immer gewundert, warum Gegenstände weggeworfen werden, die ich dann wieder zurückholen sollte. Da hab ich einfach nur geschaut. Wenn meine Rudelmitglieder mitgespielt haben und mit mir Fangen gespielt haben, war es auch für mich lustig. Erst so habe ich gelernt, Gegenstände als „Beute“ zu sehen und damit mit anderen zu spielen. Im Spiel habe ich dann bald verstanden, was es heißt, einen Gegenstand zu jemandem zu bringen. Immer, wenn ich zufällig mit dem Gegenstand im Maul ankam, ist das Wort „bring“ gefallen. Irgendwann hab ich dann verstanden, was das heißt, aber dazu habe ich vergleichsweise ziemlich lange gebraucht.
Meine Rudelmitglieder können das nun aber doch sehr gut gebrauchen. Wenn z.B. das Frisbee in einen Bach fällt, wo nur ich hinkomme, dann bringe ich es eben jetzt wieder zurück. Früher hätte ich nicht kapiert, was meine Leute von mir wollen. Das Frisbee würde heute noch im Bach liegen. Wäre auch sehr schade.

 

Ich kann noch viele andere Dinge, wie versteckte Sachen suchen und bringen, mit Kindern richtig Versteckenspielen mit Einschauen und Suchen, Kunststücke gemeinsam mit anderen Hunden, Balancieren, über Hindernisse springen, Slaloms gehen bzw. laufen, durch Stofftunnel gehen, durch die Beine von Kindern laufen, … Das macht alles sehr viel Spaß, wäre aber eigentlich gar nicht notwendig. Trotzdem bereichert es ein Hundeleben ungemein, wenn man so viele „Kunststücke“ beherrscht und jedesmal Staunen, Bewunderung und Begeisterung damit auslösen kann.